
Lokale Verwaltungen, neudeutsch On-Premise, werden immer wieder als die Lösung gegen Cloud und US-Abhängigkeit in die Diskussion gebracht.
Sicherlich gibt es Anwendungsgebiete, bei denen man sich lokal gegen das Internet abschotten kann. Aber da sind nicht nur die Verwaltungskonsolen an sich, sondern auch die Agents auf den Clients gefragt.
Für Virenschutz und vieles, was damit zusammenhängt, kann man sagen: So wie vor 25 Jahren funktioniert die Welt nicht mehr. Lassen Sie uns das einmal ein wenig auseinanderklamüsern:
Ein Virenschutzprogramm ist nur so gut, wie die Virensignaturen und die Scan-Algorithmen, die das nutzen, sind. Gefühlt gab es schon vor 20 Jahren Mikroupdates mit Virensignaturen, die mit hoher Geschwindigkeit erstellt und verteilt wurden. Das waren ganz kleine, sagen wir mal, Textpakete. Wichtig hier war die Reaktion auf neu gefundene Bedrohungen.
Ein Virenschutzprogramm ist nur so gut, wie die Virensignaturen und die Scan-Algorithmen, die das nutzen, sind. Gefühlt gab es schon vor 20 Jahren Mikroupdates mit Virensignaturen, die mit hoher Geschwindigkeit erstellt und verteilt wurden. Das waren ganz kleine, sagen wir mal, Textpakete. Wichtig hier war die Reaktion auf neu gefundene Bedrohungen.
Mit der Zeit war in so einer Sammlung ein Muster erkennbar. Man konnte diese Mikroupdates zu einem Update der Virensignaturen zusammenfassen, die Erkennung läuft schneller. Danach konnte man auch die Verarbeitungsalgorithmen mit diesen neuen Sachen verbessern. Das waren dann praktisch die Programmupdates, die auch andere Verbesserungen enthielten.
Hinzu kamen weitere Funktionen. Programme begannen nicht mehr nur Dateien zu prüfen, sondern auch Verhalten zu analysieren, Webseiten zu bewerten oder verdächtige Aktivitäten auf dem System zu erkennen. Viele dieser Funktionen waren nur deshalb praktikabel, weil sie aktuelle Informationen aus dem Internet beziehen konnten.
Was hat das nun mit On-Premise zu tun? Nun die Vorstellung: Ich nehme ein Update, prüfe das und spiele dieses in die abgeschottete Umgebung via Verwaltung ein. Bei der Geschwindigkeit, mit der diese Dinge veröffentlicht wurden und werden, ist das schlicht nicht umsetzbar für Administratoren. Also schon hier haben wir durchaus die Notwendigkeit, dass die Agents direkt im Internet die Updates abholen. So schnell es halt geht. Die Abschottung ist damit als Grund für On-Premise nicht mehr gegeben.
Dann sind da noch weitere Features. Der Linkscanner – das ist ein alter Begriff, der aber eine Methode beschreibt, Internetzugänge auf diversen Ebenen auf Gefährlichkeit zu prüfen. Heute findet man dafür häufig andere Bezeichnungen wie URL-Reputation oder Web-Reputation. Effektiv funktionieren diese Verfahren aber nur, wenn eine Verbindung zum Internet besteht.
Ganz zu Beginn dieser Art von Malwareabwehr war das noch teilweise mit lokalen Signaturen beschleunigbar. Heute ist die Anzahl der neu gefundenen Bedrohungen schlicht zu hoch. Abgesehen davon wird auch die Menge an lokal vorzuhaltenden Daten immer größer. So ein Linkscanner ist letztlich auch eine Art von Firewall.
Wenn man es genau nimmt: Das waren schon vor 15 oder 20 Jahren Cloud-Services. Cloud bedeutete schon damals nicht nur zentrale Verwaltung. Bereits Lizenzprüfungen, Reputationsabfragen oder die schnelle Verteilung von Signaturen nutzten zentrale Dienste außerhalb der eigentlichen Installation.
Ein Client wird auch heute noch Daten lokal vorhalten, aber das beschränkt sich in der Regel auf eine eher kleine Menge besonders gefährlicher und stabiler Malware. Also: Wenn ein Virenschutzprogramm alle relevanten Methoden nutzen möchte – und es gibt noch deutlich mehr Features als die hier genannten – benötigt es einen Zugriff auf das Internet.
Ein Proxy-Zugriff über eine lokale Verwaltung ist denkbar, bedeutet aber auch, dass man nie so recht weiß, welchen Zustand die Informationen gerade haben.
Wenn wir uns das anschauen:
- Es gibt keine vollständig abschottbaren Lösungen in diesem Bereich.
- Welche Daten kann man eigentlich sinnvoll lokal vorhalten, wenn der Internetzugriff ausgeschlossen ist?
- Welche Sicherheitsstufe hat dann diese Implementierung?
On-Premise im Sinne der Abschottung gegenüber dem Internet muss man also als unmöglich bezeichnen.
Die Einstellungen etc. lokal statt in einer Cloud zu verwalten, kann man noch nachvollziehen. Aber ist das wirklich so wichtig? Standalone-Verwaltung der Clients ist auch machbar. So einige Dinge kann man dann mit Anbindung an andere Managementsysteme lösen, aber so richtig lustig ist das nicht.
Wenn On-Premise wichtig ist, muss man genau nachfragen: Warum eigentlich? Welche Anforderungen stehen dahinter? Und vor allem: Welche Sicherheitsfunktionen ist man bereit dafür einzuschränken oder abzuschalten? Es mag gute Gründe für On-Premise geben – aber die sollte man offen benennen. Dabei reden wir noch gar nicht von alten Betriebssystemen, die ohnehin keine Unterstützung mehr erfahren.
Die eigentliche Frage lautet heute nicht mehr „Cloud oder On-Premise“. Moderne Sicherheitslösungen arbeiten seit vielen Jahren mit einer Mischung aus lokalen und zentralen Diensten. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Welche Sicherheitsfunktionen kann man ohne permanente Anbindung an aktuelle Informationen aus dem Internet überhaupt noch sinnvoll betreiben?
Die versprochene Autonomie durch On-Premise erweist sich bei genauer Betrachtung daher oft als Illusion.
