Antivirensoftware noch sinnvoll? Selbstverständlich!

IT-SecurityIn jüngster Vergangenheit haben einige Programmierer frustriert die These aufgestellt, dass Antivirensoftware obsolet sei und die Sicherheit der Systeme beeinträchtige. Hintergrund dazu ist, dass die Antivirenprodukte inzwischen auch Netzwerkverkehr überwachen, der zwischen Server und lokalem Webbrowser ausgetauscht wird – und neuerdings auch verschlüsselte Verbindungen. Dabei haben einige Hersteller bei der Implementierung Fehler eingebaut, die die Sicherheit dieser Verbindung zwischen Server und Browser herabsetzen können. Dies kritisieren Sicherheitsforscher zu recht und die Antivirenhersteller reagieren zügig mit Softwarekorrekturen. Zudem gab es kürzlich Veröffentlichungen, die eine Sicherheitslücke im Windows-eigenen Application Verifier nutzen, um Antivirensoftware auszuhebeln. Es handelt sich im Kern also um eine Microsoft-Lücke.

Ein guter Computerschutz umfasst nicht nur einen reinen Dateiscanner, da Viren auf diverse Wege ins System kommen und den Anwender schädigen können. Im Zwiebelschalenprinzip fügen die Antivirenhersteller daher Schutzschicht um Schutzschicht nach: Neben dem ursprünglichen Dateiscanner, der auf Anforderung das System untersucht, kam so der Hintergrundscanner hinzu, der das Dateisystem in Echtzeit auf Änderungen überwacht. Weitere Komponenten sind dann beispielsweise E-Mail-Scanner oder Verhaltensüberwachung von Prozessen, also der laufenden Programme. Um bösartige Angriffe von Exploit-Kits zu erkennen, kamen dann Webtraffic-Analysekomponenten hinzu, die etwa Aktionen von Skripten in Webseiten untersuchen und bewerten.

Sofern Fehler in diesen Komponenten auftreten, versuchen die Hersteller, diese rasch zu beheben. Das ist ein ganz normaler und alltäglicher Vorgang: Wo Menschen arbeiten, wird es zwingend gelegentlich Fehler geben. Jeder Softwarehersteller muss nachbessern – man sieht dies unter anderem bei den monatlichen Patchdays von Microsoft. Die meisten Fehler fallen bereits weit vor Veröffentlichung neuer Komponenten in der Qualitätssicherung auf, einige erst später. Auch dann werden sie natürlich behoben.

Es sind bislang keine Angriffe aus der Praxis auf Virenscanner bekannt, um darüber Systeme zu infizieren oder Nutzer anzugreifen. Das liegt auch daran, dass die Position, die ein Angreifer zum Ausnutzen der jüngst bekannt gewordenen Lücken in Windows haben muss – beispielsweise lokalen Zugriff auf den Rechner -, bereits wesentlich einfacher weitreichenden Systemzugriff erlaubt.

Die Schutzwirkung durch Antivirensoftware ist jedoch unbestritten. Hier liefern Testlabore wie AV-Test.org regelmäßig Ergebnisse von Untersuchungen auf deren Webseite, die die gute Schutzwirkung der meisten Antivirenlösungen belegen. Das kostenlose, beim aktuellen Windows-Betriebsystem mitgelieferte Windows Defender schlägt sich dabei jedoch meist eher schlecht als recht. Daher ist der Einsatz von Antivirensoftware nach wie vor zwingend anzuraten – ohne sind Nutzer den Angreifern schutzlos ausgeliefert und haben keinerlei Unterstützung, Schadsoftware zu erkennen und abzuwehren.